Cavael, der ab 1924 an der Städelschule in Frankfurt studiert
hat, verdiente sich seinen Lebensunterhalt zunächst mit
Arbeiten für die Filmindustrie, als Werbegraphiker und Dozent
für Angewandte Graphik. Seine erste Ausstellung im Jahre
1933 in Braunschweig, die er zusammen mit Josef Albers
durchführte, war der Anlaß zum Malverbot durch die
Nationalsozialisten.
Als Pionier der Abstraktion hat sich Cavael in der
theoretischen Nachkriegskontroverse der Polarisierung von
abstrakter und gegenständlicher Kunst vehement eingesetzt.
Gemeinsam mit Gerhard Fietz, Rupprecht Geiger, Willy Hempel,
Brigitte Meier-Denninghof und Fritz Winter hat Rolf Cavael
unter dem Protektorat von Willi Baumeister eine der
wichtigsten Künstlergruppen nach '45, die Gruppe ZEN 49
in München, ins Leben gerufen.
Eine Triebfeder im Werk Cavaels ist seine Faszination an der
Mikrobiologie und die Beschäftigung mit den Gesetzmäßigkeiten
der Natur. Tatsächlich erinnern seine "schwebenden Formen"
der frühen 50er Jahre an durchs Mikroskop beobachtete
Zellen, kompakte geometrische Formen, die vor monochromem
farbigen Grund ihr Eigenleben zu entwickeln und zu
korrespondieren scheinen. Die Wirkung von Präzision und
statischer Ruhe dieser Werkphase weicht in den 60er und
70er Jahren stark gestischen Arbeiten voller Dynamik.
Die Betrachtung dieser Bilder verrät Cavaels Affinität zur
Musik. Kompositionen entstanden, in denen Cavael mit den
Mitteln der Malerei - hierin Kandinsky vergleichbar - einem
"inneren Klang" aufspürte. Im Vergleich zu Jackson Pollocks
Drip paintings, in dessen Linienlabyrinten die Linie
zum Zufallsprodukt entmündigt wird, verselbständigt sich diese
bei Cavael zunehmend und avanciert zum wichtigsten
Ausdrucksmedium. Die Farbe spielt eine kontrapunktische Rolle,
läßt Linienstrudel zu fulminanten Crescendi anschwellen oder
bietet den mit dem Pinsel empfundenen Stakkati und Fermaten
Paroli.